Ich bin niemand, der Personenkult betreibt. Daher ist es mir egal, wer hinter der Musik steckt, die mir gefällt, noch dessen Biografie oder sonstige Dinge. Weit entfernte oder teure Konzerte scheiden daher für mich schon aus Prinzip aus.
Auch Trent Reznor interessiert mich als Person nur marginal mehr als Andere. Aber da ich ihn für DEN besten und vielfältigsten Musiker überhaupt halte, wollte ich ihn zumindest einmal live spielen sehen. Und da mir seine Musik derart gut gefällt, wäre ich für ein Konzert sogar 1000km oder mehr angereist.
Die Anreise

Urlaub 2009 in Berlin
Nach langer Vorfreude und dem rückwärts zählen der noch verbleibenden Tage war es endlich soweit. Endlich war der 29.06. gekommen. Drei Tage Berlin. Urlaub, Kurzweil, sightseeing und natürlich der eigentliche Grund der Reise – das Konzert von Nine Inch Nails.
Nach über einer Stunde S-Bahnfahrt waren wir am 30.06. um 18:30 endlich in der Arena Berlin angekommen. Erst einmal ein Bier (3,- EUR) gönnen und mit der Umgebung vertraut machen.
Die Berlin Arena und das setting
Die Halle wirkt relativ klein (ich schätzte die Fläche auf 70m * 50m) – ist in Wirklichkeit jedoch um 7000qm groß aber relativ flach gebaut. Die Arena und das Umfeld erinnert an eine alte Fabrikhalle um 1900 (Backsteine, Stahlträger, etc.) – so gesehen zumindest optisch die ideale Umgebung für ein NIN-Konzert.
Soweit ich das richtig überblicken konnte, waren in der Halle 4 oder 5 Getränke-/Esstrände und ein Merch-Stand auf- bzw. eingebaut. In der hinteren Mitte der Halle war eine ca. 2m hohe Tribüne mit Sitzgelegenheiten und Rollstuhlrampen aufgestellt worden. Die Bühne selbst wird wohl um die 25m bis 30m breit gewesen sein.
Die Vorgruppe Mew
Da mich die Gruppe ehrlich gesagt überhaupt nicht interessierte, blendete ich die eine Stunde mehr oder weniger aus – wobei ich zwei Lieder nicht schlecht fand. Aber anstandshalber hab ich natürlich immer schön brav mitapplaudiert.
Währenddessen
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich genau vor einen selbst eine Horde großgewachsener Hünen stellt? Genau, 100% (Murphys Gesetz). Also schön breit machen, Platz “verteidigen” und ja keinem großgewachsenen erlauben, sich vor einen zu drängen…
Nine Inch Nails
Die Bühne und die Halle wurden mit Nebel geflutet.
Dann betrat Trent Reznor himself auf die Bühne und das bunt gemischte Publikum (Ottonormal bis Gothic/ Teenie bis Mitfünfziger) rastete aus. Auch ich konnte mich der Stimmung nicht entziehen und schwelgte während des ganzen Konzertes in einem glücklichen, hysterischen Zustand.
Über der ganzen Bühnenfläche waren weiße, nach unten strahlende Scheinwerfer/Strobos montiert worden. Auf der Rückseite befanden sich mehrere vertikale Reihen, bestückt mit weißem, violetten Scheinwerfern/Strobos, die ins Publikum strahlten/blitzen.
Die Playlist begann mit Somewhat Damaged recht temporeich, weshalb innerhalb weniger Sekunden die ersten Pogos aufkamen. Eigentlich kann man mich, zumindest für Up-and-Downs immer haben – nach 4 Liedern wurde es mir aber zu heftig und zu heiß und ich verzog mich etwas an die Seite.

Nine Inch Nails Konzert
Ja Ja, die böse Temperatur! Es war wirklich höllisch heiß, was Trent später auch einmal mit “God damn hot in here!” anmerkte. Die sechs (?) ins Publikum geschmissenen Wasserflaschen waren wohl eher symbolisch gemeint.
Als ich mir nach dem Konzert noch ein Bier holte, musste ich entsetzt feststellen, dass ich komplett durchgeweicht war (Shirt, Hose, Schuhe, Tascheninhalt – alles pitschnass).
Wie bereits von Anderen angemerkt wurde, war die Playlist perfekt. Viele alte und neue Lieder wurden gespielt. Sowohl aggressivere als auch ruhigere/melancholische Stücke wurde meiner Meinung nach gekonnt aneinander gereiht. Lediglich With Teeth hätte ich mir persönlich noch gewünscht.
Mir kam das Publikum recht träge vor. Ich habe durchweg verhältnismäßig “wenig” Hände in der Luft und Mitsänger gesehen. Das kenne ich von anderen Konzerten/Festivals anders. Oder liege ich da falsch?
Nach geschätzten 2 Stunden war das Konzert relativ abrupt zu Ende und Nine Inch Nails verließen die Bühne. Zugabe-Rufe hielten sich zu meinem Bedauern stark in Grenzen und die Crew begann alsbald mit dem Abbau.
Résumé

Nine Inch Nails Konzert
Da die Halle relativ flach gebaut ist und zudem die Stahlkonstruktion des Hallendachs recht tief in die Halle hängt, war eine aufwendige Bühnenshow (Leinwände, Lichtspiele, etc.) wohl nicht realisierbar.
Den Umständen entsprechend fand ich die Bühnentechnik und die Bühnenperformance aber durchaus in Ordnung (in einer Halle lässt sich halt weniger machen).
Die Playlist war super und die Spieldauer mit knapp 2 Stunden mehr als ich erwartete. Die Konzertkarte war mit 41,75 EUR quasi geschenkt und meine Kosten für Anreise und Unterkunft hielten sich dank Fahrgemeinschaft mit circa 60,- EUR in Grenzen.
Nine Inch Nails Konzert?
Jederzeit wieder!
(sofern es noch einmal ein Konzert geben sollte)