07.25
Wir schreiben das Jahr 2009.
Computer gehören mittlerweile zum Lebensstandard, jedes Vorschulkind gibt auf dem Schulhof mit seinem iPhone an und selbst jedes alte Mütterchen weis – zumindest theoretisch – was das Internet ist. Die HD DVD ist leider mittlerweile auch schon wieder tot, HDTV scheint sich gerade zu etablieren und analog fotografieren tut (tuten tut der Tuter, wenn er tuten tut) seit 10 Jahren auch keiner mehr.
Ich bin bei Leibe keiner, der sich neuen, technischen Entwicklungen gegenüber verschließt – als Mann gehört das Interesse für Technisches und kleine blinkende Geräte quasi zur genetischen Grundausstattung. Ich kann Stunden im Baumarkt verbringen, auf tausenden Webseiten Geräte hinsichtlich Vor- und Nachteilen vergleichen und mich in technischen Datenblättern verlieren.
Außer? Außer bei Mobiltelefonen und Digitalkameras!
Bah, diese Unübersichtlichkeit! 500 Hersteller à 3000 Modelle.
Ok, normalerweise lassen sich vom Hersteller vorgespielte, nicht existierende Produktdiversifikation durch genaues Vergleichen ausblenden und über die Restmenge dann nach persönlicher Vorliebe entscheiden. Das setzt natürlich eine gewisse Sachkenntnis und Affinität voraus und die die habe ich bei Mobiltelefonen und Digitalkameras so gar nicht. Wo ist der Vorteil von 12 zu 10 Megapixeln, auf was muss ich bei dem Objektiv achten und für was brauch in einen Bildstabilisator?
Manchmal beneide ich unsere ehemaligen Ostbürger um die Einfachheit ihrer damaligen Kaufentscheidungen:
Kunde: Ich brauch eine Kamera. Welche Modelle hab ich zur Auswahl?
Konsum Mitarbeiter: Eins.
oder
Kunde: Ich hätte gerne die neue Kamera VEB 601 Deluxe!
Konsum Mitarbeiter: Ham ma nüsch.
Seit Jahren konnte ich den Kauf einer Digitalkamera dank meines leihwilligen Nachbarn rühmlich umgehen.
Aber nach 3 Urlauben und über 300 ebay-Auktionen mit Leihkamera war der Punkt erreicht, an dem mir der Zeitaufwand für die Suche und den Kauf einer eigenen Kamera weniger erschien als die ständigen Leih- und Zurückbring-Eskapaden.
DimMyPrp: brauch eh ne kamera. würd gleich nach was wasserdichtem suchen
Salem: die profis verkaufen nur unbezahltes zeug
Salem: hülle brauchst fast immer und die gibts ja getrennt
DimMyPrp: aber halt die frage wo und für welche kamera
Salem: da helfen dir wohl nur foren, und keine händler
DimMyPrp: bah
DimMyPrp: muss ich aber nach suchen. liste wär halt ned schlecht
Salem: gibt viel zu viel modelle
DimMyPrp: nur um mal überblick zu verschaffen
Salem: für kompaktkameras sind die ixus ne recht brauchbare wahl
Salem: ich würde (wenn ich jetzt sowas bräuchte). mir aktuell ne canon ixus 95 is kaufen
DimMyPrp: hast dich wohl mit beschäftigt? ixus 95 mein ich?
Salem: bisschen, hatte ich schonmal hier
DimMyPrp: auslösezeit? schnell?
Salem: k.A., die nehmen sich alle nichts mehr heutzutage
…
Ok. Nichts genaues weis man nicht. Aber zumindest schon mal einen Namen und eine Modellreihe. Canon IXUS. Und “bezahlbare” Unterwassergehäuse fürs Tauchen scheint es auch zu geben. Also, fleißig googlen und Modelle und Preise vergleichen.
Nach fünf Jahren Aufschieberei ging es plötzlich ganz schnell. Die Canon Digital IXUS 100 IS war in der engeren Wahl. Am nächsten Tag noch mal schnell zum “kompetenten” Idiotenfachmarkt um die Ecke (Geiz ist geil) und die Kamera mal vor Ort an sehen – ja passt. Abends bestellt und am nächsten Tag schon auf dem Tisch (ich liebe Amazon Prime).
Da fällt mir gerade auf, dass mein Kaufverhalten wieder einmal geschlechtsverkehrartige Zuge angenommen hat. Warum?
Sehr langes Anbaggern (fünf Jahre den Kauf vor sich herschieben), kurzes Vorspiel (Kamera 30 Minuten vor Ort ausprobieren) und kurzer Hauptakt (Amazon 1-Click).
Kaufen kann so einfach sein.

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